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Bremen ist „gut dabei“ – aber nicht hier.

Review des Stadtdialog: Gartenstadt – mehr Freiraumqualität in der wachsenden Stadt

Dialog. Da ist dieses Wort. Es bedeutet ein Gespräch zu führen. Mit zwei Partnern. Auf Augenhöhe. Es bedeutet nicht einfach „informiert werden“.
 
Dem Wort Dialog kommt auch im Laufe des Abends eine besondere Bedeutung zu, denn es wird zu einem Hauptmerkmal für gelungene Projekte. Methoden wie Workshops, Zukunfts-Werkstätten, runde Tische – das Einbinden von Beiräten und Bürgern. Das sein die wichtigsten Erfolgskriterien sagte Frau Friedrich (SUBV, Staatsrätin Bau). Und, diesen Prozess zuzulassen. Sich nicht den Diskussionen verschließen, sondern öffnen. Das Ausdiskutieren von Meinungen aller Beteiligten. Das ist der richtige Weg. Diesen Weg sind sie angefangen zu gehen. Und es wird auch nicht anders gehen in Zukunft. Das sind die Worte von Frau Friedrich.
 
Eingeleitet wurden diese von einem Vortrag. Über das Vorzeige-Projekt „Gartenstadt Werdersee". Denn wie so ein erfolgreiches Projekt aussieht, dass stellte uns Frau Prof. Iris Reuther (Senatsbaudirektorin) vor:
. Kooperation mit Landschaftsarchitekten
. Betrachtung der Nachbarschaft und der vorhandenen Freiräume
. 2-geschossige Reihenhäuser
. Geschosswohnungsbau mit 3-5 Etagen
·30% geförderter Wohnungsbau
·35% öffentliche Grünflächen
·44% Grün auf öffentlichen und privaten Flächen
 
Warum ist dieses Projekt ein Vorzeigeprojekt? Weil alle Beteiligten diese Art des Bauens und das Ergebnis für richtig halten. Angefangen von Herrn Hagen Eyink (Bundesministerium für Unwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), die zur Zeit mit einem Weiß- und Grünbuch eine Handlungsempfehlung zum erhalten und entwickeln von Grün geben (auf Bundesebene), über Frau Friedrich und auch Herrn Paßlack von der Gewoba. Zwar ist sein Paradebeispiel – die Gartenstadt Vahr – etwas weit hergeholt, aber selbst er muss zugeben, dass Landschaftsarchitekten auch für die Gewoba eine immer größere Rolle spielen werden. Der anwesende Landschaftsarchitekt, Herr Schramm, macht auf wichtige Faktoren in der Umsetzung aufmerksam. Es gebe „Konflikt-Linien“. Da die Städte immer weiter wachsen und verdichten wollen, müsse man „Freiflächen sichern“ und „am Objekt verteidigen“. Auch er betont, dass es immens wichtig sei, Akteure mitzunehmen und einen Kommunikations-Prozess aufzulegen. Nur so kann ein gemeinsames Bild entwickelt werden, welches aus der Stadt heraus entwickelt wird (und nicht aufgesetzt).
 
Sowohl Frau Prof. Reuther wie auch Frau Friedrich sind stolz auf den geglückten Flächennutzungs- und Landschaftsplan. Die grünen und blauen Linien sind die Orientierungslinien an die man sich halten solle. „Man sollte nicht immer nur über Geld, sondern auch über Werte sprechen“ betonte Frau Reuther im Nachgespräch.
 
Und was hat unser Waller Wied damit zu tun?
Ziemlich viel finden wir. Denn zum einen wurde gerade versucht ein Prozess mit uns Bürgern zu starten. Einen Dialog. Leider war es aber kein Dialog, sondern eine einseitige Information - entsprechend war unsere Reaktion. Dabei würden wir uns diesen Dialog wünschen. Einen Dialog, der auf Augenhöhe stattfindet, der ausdiskutiert wird, der vielleicht manchmal auch weh tut, aber der nach den oben genannten Leitlinien, Idealen und Vorstellungen geführt wird.
 
Wenn man die Aussagen dieses Abends ernst nimmt – und das machen wir – dann hat der Flächennutzungsplan eine führende Rolle. Grünflächen und Freiräume sollen entwickelt werden. Vorhandene Strukturen, Identitäten und Nachbarschaften integriert und in Konzepte mit einbezogen und diese gemeinsam entwickelt werden. Nichts davon findet hier statt – vielleicht in Schwachhausen, aber nicht hier. Vergleichen wir mal die Zahlen des Vorzeige-Projektes (also dem gewollten Ideal) mit unseren Zahlen:

. Kooperation mit Landschaftsarchitekten – nicht das wir wüssten
. Betrachtung der Nachbarschaft und der vorhandenen Freiräume - wenn dann einseitig aus Sicht der Überseestadt
. 2-geschossiger Reihenhäuser – hätten wir gern
. 3- max. 5 Etagen Geschossbau – steht bei uns im Bebauungsplan – gewollt sind bis zu 8 Geschosse
. 30% geförderter Wohnungsbau – bei uns 75-100% geplant
. 35% öffentliches Grünflächen – bei uns ca. 10%
. 44% Grün auf öffentlichen und privaten Flächen – davon können wir nur träumen, bei uns gibt es nur 9 Bäume im Viertel
 
Es gibt Leitlinien. Vom Bund und von Bremen. Diese sind klar formuliert und werden auch in Projekten umgesetzt. Warum finden diese Leitlinien bei der Bebauung unseres letzten Stücks grün nicht statt? Warum findet sogar eher das Gegenteil statt? Alles, was wir uns wünschen ist, dass unsere grüne Lunge mit den gleichen Anforderungen betrachtet wird, wie es die eigenen Leitlinien vorgeben – in der Betrachtung, über die Bebauung bis hin zur echten Bürgerbeteiligung.
 
Wir wollen den Dialog. Wir wollen die Gartenstadt und wir wollen Freiräume. Aber nicht nur als Vortrag. Sondern in der Praxis. Hier vor Ort. Hier wo es ein traditioneller Stadtteil verdient hat, ihn nach den eigenen Vorgaben und Leitlinien zu entwickeln!
 
 

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