
Debatte in der Bürgerschaft am 09.09.2025
Die CDU hatte den Antrag zur Verlegung der Oberschule Überseestadt auf die Überseeinsel bei gleichzeitigem Erhalt des Heimatgrüns in die Bremische Bürgerschaft eingebracht. Am Tag vorher reichte die Regierungskoalition aus SPD, Die Grünen und DIE LINKE einen Gegenantrag ein, der eine Prüfung des vom Investor angebotenen Vorschlag beinhaltete.
Mittags rief noch kurzfristig buten un binnen an, ob sie nicht eine Meinung von uns für einen Beitrag haben könnten, und natürlich gaben wir eine Meinung ab. Der Beitrag findet sich hier.
Bevor es losging konnten wir kurz mit der Sprecherin für Bildungspolitik der CDU Yvonne Averwerser und der Fraktionsvorsitzenden Dr. Wiebke Winter sprechen. Um 17:30 ging es dann in die Bürgerschaft und nach kurzer Einweisung durfte unsere 13 Mann und Frau starke Delegation die Besuchertribüne betreten.
Dann ging es auch schon schnell los. Abgeordnete Yvonne Averwerser (CDU) machte den Anfang, danach folgten Abgeordnete Miriam Strunge (DIE LINKE), die FDP, Abgeordnete Bithja Menzel (Die Grünen/B90), Bündnis Deutschland und Abgeordneter Falko Bries (SPD). Den Abschluss bildete Staatsrat Klieme von der Senatorin für Kinder und Bildung. Eine Aufzeichnung kann hier angesehen werden (ab 03:54:40), die einzelnen Redebeiträge finden sich weiter unten.
Es ging recht lebhaft zu und man tauschte Argumente aus. Dass ein Standort auf der Überseeinsel jetzt doch denkbar wäre ist offenbar bei allen Fraktionen angekommen.
Nach dem Schlagabtausch wurde abgestimmt und der Antrag der CDU wurde abgelehnt, während der Antrag der Koalitionspartner angenommen wurde.
Fazit
Auch wenn der Antrag der CDU abgelehnt wurde und jetzt "nur" eine Prüfung des Standorts Überseeinsel verordnet wurde, so ist dies doch ein Gewinn für uns.
Endlich ist das Thema oben angekommen und man redet darüber. Zwar wird immer davon gesprochen, dass es um "Grün kontra Bildung" geht, aber das große Ziel ist ja, eine vernünftige Schule mit Zukunft zu bekommen, welche über Dekaden existiert, und gleichzeitig eine Grünfläche zu erhalten. Und Fakt ist nun einmal, dass das Heimatgrün für einen Schulstandort nicht viel bietet, wenn man einmal ehrlich ist.
Man muss auch sehen, dass mit diesem angenommenen Prüfauftrag der eigentlich feststehende Senatsbeschluss zumindest pausiert wurde, bis die Prüfung abgeschlossen ist. Nun ist es an den Akteuren auf der Überseeinsel und der Senatorin für Kinder und Bildung die richtigen Angebote zu machen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Und man muss festhalten, dass ohne das beharrliche Bohren der CDU dieses Paket jetzt noch nicht wieder aufgeschnürt worden wäre und sich die Fraktionen nicht für einen neuen Vorschlag begeistern können würden.
Wir richten unseren Blick gespannt auf die Prüfungen, die Besuche des Petitionsausschusses und was sonst noch kommt.
Die Redebeiträge
Das Video findet sich hier (ab 03:54:40), das gesamte Transkript ist hier mit allen Reden und Gegenreden, und auch mit allen Fraktionen. Hier wollen wir uns auf die CDU und die Regierungsparteien beschränken, zusätzlich gibt es noch den Beitrag von Staatsrat Klieme von der Senatorin für Kinder und Bildung.
Yvonne Averweser, CDU
Frau Präsidentin, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste!
Wir beraten heute ein Thema,das zwei elementare Anliegen unserer Stadt zusammenführt, den dringend benötigten Ausbau von Schulplätzen und den Schutz einer wertvollen Grünfläche, hier dem Waller Wied. Seit gut sechs Jahren war die Errichtung einer Oberschule Überseestadt auf der Überseeinsel vorgesehen. Das wurde 2019 in der städtebaulichen Rahmenplanung beschlossen und vertraglich zwischen der Stadtgemeinde Bremen und der Überseeinsel GmbH fixiert und 2022 sogar erweitert. Ein Bildungscampus auf der Insel, bestehend aus Kita, Grundschule, Sporthallen und eben auch einer Oberschule. Das war das Schlüsselprojekt für die Entwicklung dieses neuen Quartiers. Unser überraschender war Ende 2024 der öffentliche Schwenk des Senats, die Oberschule nun auf dem Waller Wied zu errichten, einem der letzten gewachsenen Grünräume im dicht besiedelten Stadtteil Walle.
Dieses Areal ist nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ein Ort der Begegnung, des Spiels der Identität für die Menschen im Quartier. Nicht umsonst sprechen die dortigen Anwohnerinnen und Anwohner liebevoll von ihrem Heimatgrün. Meine Damen und Herren, wir haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche im Stadtteil geführt, in der Deputation für Kinder und Bildung nachgehakt, die Antworten einer dazugehörigen Kleine Anfrage ausgewertet und Gespräche mit dem Investor der Überseeinsel gesucht. In der Abwägung kommen wir zu einem eindeutigen Ergebnis. Das Waller Wied ist nicht der richtige Standort für eine Oberschule. Ja, die Schülerzahlen steigen in Bremer Westen, und die Bedarfe sind unbestritten. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, an dieser Stelle ohne Not, Natur gegen Bildung auszuspielen. Denn es gibt eine echte, bessere, schnellere, wirtschaftlichere und schon angedachte Alternative. Und Bildung ist mehr als Schule. Sie ist auch die Erfahrung der Welt um uns herum. Genau deshalb ist es so wichtig, dass unsere Bremer Schülerinnen und Schüler beides erleben. Gute Schulen und intakte Grünräume.
Unser Antrag fordert heute daher zweierlei. Erstens den Erhalt des Waller Wieds als Grünfläche dauerhaft und rechtlich abzusichern. Zweitens die zügige Realisierung der Oberschule Überseestadt auf der Überseeinsel, und zwar dort, wo die planerischen Grundlagen längst geschaffen sind, und dort, wo die Schule Teil eines zukunftsweisenden Bildungscampus werden kann. Das ist verantwortungsvolle und verlässliche Stadtentwicklung. Bildung und Nachhaltigkeit gehören für uns zusammen. Den Prüfauftragsantrag der rot-grün-roten Koalition lehnen wir ab. Denn er ist weder das eine noch das andere. Sie wollen weder das Waller Wied erhalten, noch wird eine zeitnahe Lösung für den notwendigen Schulbau in Aussicht gestellt. Wir als CDU-Bürgerschaftsfraktion wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler in modernen Schulen lernen und gleichzeitig in einem Stadtteil aufwachsen, der ihnen auch in Zukunft grüne Freiräume lässt. Ich, wir sind fest davon überzeugt, wenn wir heute den Mut haben, den Kurs noch einmal zu überdenken, dann schaffen wir eine Lösung, die wirklich nachhaltig ist für unsere Stadt, für unsere Schülerinnen und und für Menschen im Stadtteil Walle. Ich bitte darum um die Unterstützung für unseren Antrag. Herzlichen Dank.
Miriam Strunge, DIE LINKE
Sehr geehrte Frau Präsidentin meine Damen und Herren!
Walle und insbesondere die Überseestadt sind besonders dynamische Stadtteile. Viele junge Familien ziehen dorthin. Deswegen haben Senat und Bürgerschaft hier auch längst gehandelt. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude von Kellogg läuft jetzt schon im fünften Jahr der Grundschulbetrieb. In der ehemaligen Berufsschule an der Ellmersstraße arbeitet eine Willkommenschule. Auch die neue Oberschule ist bereits in Betrieb. Im zweiten Jahr wurde jetzt im Sommer am Interimsstandort an der Grenzstraße Kinder in die fünfte Klasse aufgenommen. Ausreichend Schulplätze sind im Stadtteil also vorhanden. Was aber noch fehlt, ist ein langfristiger Standort für diese neue Oberschule. Ursprünglich war dieser auch in den Verwaltungsgebäuden des Kellogg-Geländes vorgesehen. Allerdings konnten diese Planungen nicht aufrechterhalten werden, als die Detailplanung für die Oberschule erfolgte. Daraufhin hat der Senat mehrere alternative Optionen durchgeprüft und schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fläche am Waller Wied die beste Option ist, um in der Überseestadt eine Schule auf öffentlichem Grund zu bauen. Der Standort Waller Wied ist keine Ideallösung. Hier gibt es insbesondere lauten Widerstand der Bürgerinitiative Heimatviertel. Trotzdem war der Standort Waller Wied unter den bisher genutzten Optionen der beste Standort.
Nun gibt es eine neue Option, die sich so erst jetzt im August aufgetan hat. Der auf dem Kellogg-Gelände tätige Investor schlägt vor, auf den Kellogg-Höfen, ein Teilgebiet der Überseeinsel, eine Oberschule zu errichten. Damit würde ein Teil der ursprünglich für Wohnbebauung vorgesehen war, zum Schulgelände umfunktioniert. Sowohl der vorliegende CDU-Antrag als auch unser Koalitionsantrag beziehen sich auf diese neue Option. Mit unserem Antrag beauftragen wir den Senat, das neu vorgeschlagene Gelände der Kellogg-Höfe zu prüfen. Insbesondere ist erst einmal zu prüfen, wie sich diese Variante überhaupt wirtschaftlich darstellen würde. Dabei müssen unserer Ansicht nach alle Optionen durchgeprüft werden.
Zur Umsetzung des Städtebaulichen Vertrags aus dem Jahr 2018 wäre es durchaus denkbar, dass die Stadt das Grundstück kauft und dort selbst als Bauherr auftritt, vielleicht auch durch die neue Bildungsbaugesellschaft. Es wäre aber auch denkbar, dass der Investor den Bau durchführt und die Stadt dann das Gebäude mietet oder kauft. Hier unterscheidet sich unser Antrag wesentlich von dem der CDU. Die CDU behauptet einfach einmal, dass eine öffentlich-private Partnerschaft mit dem Investor das günstigste Modell ist und legt sich ohne jede Prüfung auf diese Variante fest. Ein schönes Geschenk an den Investor ist dieser Antrag der CDU. Denn ohne jegliche Abklärung der Kosten und ohne jede Gegenüberstellung der Optionen würde dem Investor mit dem CDU-Antrag versprochen, dass man ihm am Ende jeden Preis zahlen wird. Noch mehr kann man die öffentliche Hand in der Projektentwicklung nicht schädigen. Würden wir diesem CDU-Antrag als Regierung einfach so umsetzen, würde uns der Landesrechnungshof in der Luft zerreißen. Das ist völlig zu Recht. Denn das was die CDU fordert, ist ein völlig unverantwortlicher Umgang mit öffentlichen Geldern. Wir als Regierung führen erst einmal die notwendige Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durch und entscheiden dann, ob die Stadt in Eigenregie oder mit dem Investor vorgeht oder an anderer Stelle baut. Denn wir machen keine Vorabversprechen für einen Standort.
Das ist der zweite wesentliche Unterschied zwischen uns, unserem Antrag und dem der CDU. Für uns ist der Standort Waller Wied nicht vom Tisch, selbstverständlich nicht. Wir müssen doch erst einmal die Prüfung abwarten und dann schauen, welcher Standort in der Summe besser geeignet ist. Denn die Prüfung der Option auf dem Kellogg-Areal könnte durchaus auch ergeben, dass sie viel teurer ist als ein Bau am Waller Wied. Möglicherweise gibt es bei der Prüfung bauliche Probleme, von denen jetzt noch keiner weiß. Möglich ist aber auch dass die Kellogg-Höfe optimal zur Nutzung für eine Oberschule geeignet sind. Deshalb ist doch klar, erst wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, können wir eine fundierte Entscheidung treffen, auf welchem der Gelände der Schulbau sinnvoll erfolgen soll. Die Festlegungen, die die CDU hier treffen möchte, erfolgen also völlig vorschnell und ohne jede Möglichkeit erst einmal die Fakten auf den Tisch zu bringen. Wenn wir dem Antrag zustimmen würden und es würde sich ergeben, dass ein Schulbau auf den Kellogg-Höfen nicht umsetzbar ist, dann hätten wir gar keine Option mehr für die Oberschule in der Überseestadt statt, die wir aber so dringend brauchen, weil die CDU den Applaus der Bürgerinitiative einheimsen will und den Standort Waller Wied aus dem Spiel nimmt. Vielleicht ist das populär. Gute Politik für die Kinder in Bremen ist es allerdings nicht. Unser Antrag ist anders. Wir beauftragen den Senat, die Fakten zusammenzustellen und werden dann auf fundierter Grundlage die beste Entscheidung für den Stadtteil treffen. – Herzlichen Dank.
Bithja Menzel B90/Die Grünen
Sehr geehrte Frau Präsidentin liebe Kolleginnen und, liebe Gäste!
Ich bin sehr froh, dass wir heute zwei Anträge debattieren, die sich zwar in der Tonlage und in den Voraussetzungen unterscheiden, aber im Prinzip das gleiche Ziel haben, eine Alternative zur Bebauung des Waller Wied beziehungsweise des Heimatgrüns zu finden. Dieses Schulbauvorhaben das hat Herr Voigt gerade schon erläutert, hat jetzt etwas mehr Aufmerksamkeit als üblicherweise bekommen. Dabei geht es im Prinzip erst einmal ganz klassisch darum, eine Schule, also die Oberschule Überseestadt, so schnell wie möglich einen festen Standort zu beschaffen und eine gute Schule für die vielen Schülerinnen zu bauen. Und eigentlich dachten bis zum Dezember letzten Jahres die meisten, die Schule findet ihr vorgesehenes Zuhause auf der Überseeinsel. Dann sprachen, das kam gerade schon zur Rede, vor allem bauliche Gründe und mangelnder Platz bei einer möglichen Schulerweiterung auf den Tisch. Drei geprüfte Standorte später wurde sich in der Senatskommission für das Waller Wied als Standort entschieden, weil es eine städtische Fläche ist mit ausreichender Größe und ausreichender Anbindung.
Aber es ist eben auch eine Fläche mit besonderer Bedeutung und einigen Fragezeichen was ein Schulgebäude dort wirklich leisten kann, wie viel dann eigentlich von dem Grünzug noch übrig bleibt und warum denn unbedingt drei Oberschulen in unmittelbarer Nähe gebaut werden müssen. Diese und einige weitere Konflikte haben dann zu einer relativ breiten politischen Debatte geführt, auch mit der Bürgerinneninitiative. Es war Thema im Petitionsausschuss und auch in diversen anderen Runden. Ich glaube, daher ist es gut, dass sich nun eine bauliche Alternative auf der Überseeinsel zur ursprünglich angedachten Planung aufgetan hat. Herr Voigt, ist eben nicht der gleiche Standort, den wir jetzt schon seit Ewigkeiten diskutieren, sondern es sind die Kellogg-Höfe, und das war vor zwei Wochen ein neuer Angang. Es ist auch gut, dass bei dem Investor eine große Flexibilität herrscht, ob nun Mietkauf oder Kauf oder selber bauen. Die beste Lösung ist für die Stadt. Nebenbei gesagt, auch diese Gelder müssen natürlich vom Bildungsressort aufgebracht werden können. Ich glaube, wir müssen jetzt prüfen, was die beste Variante ist und ob eine private Entwicklung hier vielleicht sogar preisliche Vorteile haben kann. Es ist auch gut, dass dieser ursprüngliche Campusgedanke der auch von meiner Kollegin schon geschildert wurde, auf der Überseeinsel wieder eine Chance der Verwirklichung hat. Natürlich geht es bei einem guten Schulstandort um die räumliche Nähe zu den Wohnorten der Schülerinnen, um die Nähe zu anderen Einrichtungen wie Kitas und Grundschulen, aber auch um ein sicheres und lebendiges Umfeld, das im Schulalltag eine große Rolle spielt. Dazu zählt eine gute Verkehrsanbindung, ausreichend Freifläche, Sportmöglichkeiten und vielleicht auch einmal die Kooperation mit einer Firma, mit Sportvereinen oder auch mit anderen Institutionen die sich auf der Überseeinsel definitiv ansiedeln werden. Das sind viele viele Chancen, die die Überseeinsel weiterhin für eine Schule bereit hält.
Wir sehen daran, dass rein aus Stadtplanungssicht und rein aus sozialer Sicht ein alternativer Standort Sinn ergibt. Ich war jetzt ein bisschen überrascht, dass die CDU nur auf die Grünflächenversorgung eingeschossen hat. Das freut mich immer total, wenn Sie Ihr Herz für grün entdecken. Aber es gibt eben auch ganz viel andere gute Gründe, warum die Überseeinsel immer guter Standort für eine Oberschule sein kann. Ich komme zu dem Thema Frau Averwerser. Natürlich freut es meine Fraktion besonders, dass wir wahrscheinlich eine Alternative zur Versiegelung einer Fläche gefunden haben, die nicht nur einen Freizeit und Erholungswert für die Anwohnerinnen hat, sondern auch ein Zuhause für Tiere und Pflanzen bietet und ihren Anteil zu einer Schwammstadt leisten kann. Das in einem Stadtteil, der eine geringe Grünraumversorgung hat und deswegen völlig zu Recht bei den Bewohnerinnen auch eine große große Bedeutung hat. Gerade bei ökologisch wertvollen Flächen kommt ziemlich reflexhaft das Angebot, man könne jetzt ein besonders grünes Bauvorhaben umsetzen. Da habe ich direkt wieder Fragezeichen im Gesicht, wenn gleichzeitig unser erklärtes Ziel ist, gerade im Schulbau wo es auch wirklich nötig ist, standardisiert und günstiger zu bauen. Ich glaube, da muss man sich auch bisschen ehrlicher machen. Ein Bauvorhaben wird immer einen extremen Einfluss auf eine unversiegelte Fläche haben. Flächenknappheit bedeutet, dass wir noch sorgfältiger abwägen müssen, was bebaut werden soll und was wir für die Klimaanpassung und für die Biodiversität brauchen. Es gibt in Bremen zum Glück noch viele unbebaute Grundstücke, die auch geeignet für eine Entwicklung sind. Es gibt eben Flächen wie das Waller Wied. Bei der würde ich sagen, für fast jedes Vorhaben wäre wohl eine andere Fläche in Bremen viel geeigneter als dieses wertvolle Stück Grün in einer speziellen Lage. Wenn seit vielen Jahren kein Bauvorhaben darauf gelingen mag, dann wäre es aus unserer Sicht jetzt der richtige Zeitpunkt, es auch dauerhaft zu schützen. Vielen Dank.
Falko Bries, SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste!
Die Oberschule Überseestadt ist gegründet, aber sie hat noch immer kein Zuhause. Die Schülerinnen und Schüler lernen seit Jahren in Provisorien, bald in Mobilbauten. Wer sich einmal vorstellt, wie sich ein Schulalltag ohne Fachräume, ohne richtige Aula, ohne dauerhaftes Gebäude gestaltet, weiß, das ist kein Zustand, den wir hinnehmen dürfen. Die Überseestadt wächst rasant. Wohnungen entstehen, Familien ziehen zu, der Stadtteil lebt. Aber während neue Grundschulen eröffnet wurden, fehlt für die Oberschule die dauerhafte Lösung. Gerade hier brauchen die Kinder endlich Verlässlichkeit. Der bisher favorisierte Standort am Waller Wied ist im Eigentum der Stadt und bereits als Baufläche ausgewiesen. Sprich, das Grundstück ist kurzfristig bebaubar. Aber gleichzeitig gibt es aus der unmittelbaren Nachbarschaft Sorge um die Zukunft einer Grünfläche. Die Kritik aus dem Stadtteil ist deutlich und nachvollziehbar. Grünflächen sind wichtig, aber sie dürfen nicht zum Argument gegen Bildung werden. Darum ist die neue Option auf dem Kellogg-Areal so wichtig. Diese Fläche könnte die Chance bieten, eine Schule zu bauen, die nicht nur schnell, sondern auch pädagogisch sinnvoll, klimaverträglich und sozial eingebettet ist. Wir danken der CDU-Fraktion für ihren Antrag über die damit verbundene Sorge um den Stadtteil Walle.
Doch wir müssen klar sagen, die SPD-Fraktion lehnt diesen Antrag ab. Nicht, weil uns die Anliegen der unmittelbaren Nachbarschaft egal wären, sondern weil wir Verantwortung übernehmen müssen für eine realistische, zukunftsfähige und sozial gerechte Schulentwicklung. Genau dafür setzen wir uns ein. Wir als KoA haben in den letzten Jahren den Ausbau neuer Grundschulen vorangetrieben. Wir haben zusätzliche Willkommensschulen ermöglicht. Wir drängen jetzt auf eine tragfähige Lösung für die Oberschule Überseestadt. Wir wollen dass die Standortfrage nicht weiter verschleppt wird, sondern zügig entschieden werden kann, damit gebaut wird, nicht geredet. Unser Auftrag ist klar. Wir brauchen eine schnelle, gründliche Prüfung der Standorte. Wir brauchen eine Entscheidung, die nicht auf dem Papier gut aussieht, sondern im Alltag funktioniert. Denn eines darf nicht passieren, dass die Oberschule Überseestadt zum Dauerprovisorium wird. Die Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf ein echtes Schulgebäude, mit Platz, mit Qualität, mit Zukunft. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Schule bald Realität wird. Denn die Kinder der Oberschule Überseestadt verdienen nicht weniger als das. Eine Schule, die zukunftsfähig ist, genau wie Ihr Stadtteil. – Vielen Dank.
Staatsrat Klieme, SKB
Sehr geehrte Damen und Abgeordnete, liebe Gäste! Für den Senat will ich gleich mein Resümee vorwegnehmen. Wir freuen uns im Grunde beide Anträge und wir freuen uns auch über die Öffnung einer erneuten Prüfung weil unser Interesse daran besteht, Ende eine Lösung für die Schule in der Überseestadt zu finden, die möglichst schnell umgesetzt werden kann, die wirtschaftlich funktioniert und die gewährleistet, dass der ökologische Eingriff, der bei jedem Bau unabweisbar ist, so gering wie möglich in der Stadt passiert.
Ich möchte nicht noch einmal alles wiederholen was hier heute in der Debatte schon an richtigem gesagt wurde, und zwar aus fast allen Fraktionen, sondern mich auf zwei Punkte noch einmal beschränken, wo ich glaube, noch einmal Klarheit herstellen zu müssen. An einem Punkt hat es Frau Menzel schon gemacht. Ich will es aber noch ein zweites Mal machen. Das Angebot des Investors ist nicht das aufgewärmte Angebot von vor mehreren Jahren, sondern es ist ein neues Angebot. Ansonsten wäre eine Prüfung auch sinnlos, weil das alte Angebot war geprüft worden und war damals übereinstimmend als nicht umsetzbar bewertet worden. Das muss man wissen. Der zweite Punkt, der total wichtig ist, die Senatskommission, die am Ende zu der Abwägung gekommen ist, mit Blick auf die geprüften Möglichkeiten, das Waller Wied zu favorisieren, hat natürlich mit Blick auf die Überseeinsel nur die Flächen geprüft die sich im öffentlichen Eigentum befinden und nicht sozusagen private Flächen weil das auch unsere Möglichkeiten an der Stelle überhaupt nicht einschließt.
Und der dritte Punkt, den ich noch einmal sagen will, ich weiß nicht, wann es bei Ihnen eingegangen ist, ich habe sozusagen eine Mail des Investors mit einem konkreten Angebot mit Blick auf die Kellogg-Höfe bekommen am 25.07. und nicht schon im Januar. Insofern würde ich sagen dass wir auch auf der Seite des Senats sehr schnell reagiert haben, sehr schnell auch mit den KoA-Fraktionen ins Gespräch gegangen sind über die Frage, ob wir dieses Angebot annehmen wollen, unseren Senatsbeschluss quasi noch einmal mit einem Moratorium versehen und uns die Zeit nehmen, eine echte Prüfung durchzuführen, hinsichtlich des Angebots eines Investors auf der Überseeinsel. Und der dritte Punkt, den ich noch einmal aufrufen muss, Frau Averwerser, Sie haben in Ihrem Redebeitrag gesagt, dass es alles ganz einfach wäre, weil die planerischen Voraussetzungen auf der Überseeinsel dafür bestünden. Das stimmt leider nicht. Die planerischen Voraussetzungen bestehen noch nicht. Es müsste eine neue Bauleitplanung auch sozusagen für die Kellogg-Höfe gemacht werden, wenn dort eine Oberschule errichtet werden sollte.
