
Klimacampus contra Oberschule? -
Vorstellung zum Klimacampus am 18.11.2025
Hat der Klimacampus die Oberschule Überseestadt verdrängt? Sowohl für die Oberschule als auch für den Klimacampus wurde als Standort das sogenannte Gleisbett auf der Überseeinsel vorgeschlagen. Da jetzt endlich mehr Informationen als medial wirksame Absichtserklärungen zur Verfügung stehen kann man nur sagen: ja.
Zum Klimacampus
Am 18. November 2025 wurde der Klimacampus im Fachausschuss Überseestadt kurz vorgestellt (Protokoll und Präsentation). Um es kurz zu umreißen - der Klimacampus soll verschiedene Sparten der Berufsausbildung vereinen, wobei die Fachrichtungen alle klimarelevante Themen abdecken. Das kann Windkrafttechnik sein, aber auch Wartung von Klimaanlagen oder ähnliches.
Wie soll das aussehen? Es soll vier Module geben, von denen Modul 1 und Modul 2 bereits baulich vorhanden sind, nämlich die Werfthallen der ehemaligen Atlaswerft und der Schuppen 4 am Europahafen. Modul 3 und 4 sollen von der Stadt bzw. der Handwerkskammer finanziert und auf städtischem Grund gebaut werden. Große Teile des Kellogg-Areals liegen im privaten Besitz, das sogenannte "Gleisbett" gehört aber der Stadt.
Für die städtischen Module wurde eine "Baumassenstudie" erstellt, welche den benötigten Raum auf den zur Verfügung stehenden Grundstücken darstellt. Die Baumasse wird in Bruttogeschossfläche (BGF) ausgedrückt, der Gesamtfläche aller gebauten Etagen. Die Abbildungen der Baumassenstudie wurden in der Präsentation gezeigt..

Abb.1: 1. Vorschlag Klimacampus - In dieser Abbildung ist eine Anordnung der Module zu sehen. Zur Perspektive: im Vordergrund ist der Europahafen zu sehen, dann die Überseeinsel, dahinter die Weser. Modul 1 (Werfthalle) und 2 (Schuppen 4) sind grau mit schwarzen Kanten. Die Module 3 und 4 finden sich auf dem rot unterlegten "Gleisbett", welches städtisches Eigentum ist.

Abb. 2: 2. Vorschlag Klimacampus - Hier noch ein Anordnungsvorschlag aus der Baumassenstudie. Grau mit schwarzen Kanten sind wie oben die Module 1 und 2, rot ist das Modul 4 (Technisches Bildungszentrum TBZ) und blau das Modul 3 (Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung der Handwerkskammer). Zusätzlich gibt es noch Sportflächen hinter dem Modul 3.
Damit wird beabsichtigt, die Module 3 und 4 im vorderen und mittleren Bereich des sogenannten "Gleisbetts" anzuordnen.
Na und?
Nun, auch die Oberschule sollte auf städtischem Grund im Gleisbett gebaut werden. Hier eine der letzten Zeichnungen zum Standort Gleisbett.

Abb. 3: Prüfung Oberschulstandort Gleisbett - Perspektive ist diesmal Aufsicht, oben befindet sich der Europahafen. Rot ist die Oberschule auf dem Gleisbett eingezeichnet, darunter findet sich das Kellogg's-Gebäude, in der zur Zeit die Grundschule untergebracht ist. (Lustigerweise wurde für die Grafik Oberschule eine bestehende Grafik zugrunde gelegt, welche die jetzigen Kellogg-Höfe als Oberschule vorsah, s. unten rechts auf dem Bild. Bekannterweise wurde dieser Entwurf ja abgelehnt bzw. missachtet)
Damit sollte sowohl die Oberschule Überseestadt als auch ein Modul des Klimacampus im vorderen Gleisbett angesiedelt werden und das eine stach das andere aus.
Interessanterweise widersprechen sich die Begründungen, warum das eine möglich ist, das andere aber nicht. Die Ausschlusskriterien waren für die Oberschule Überseestadt Größe, Art der Ausführung, Kapazität des Knotenpunkts und der Hochwasserschutz.
Zur Größe:
Die Flächenbedarfe für Schulen sind festgeschrieben, für eine 6zügige Oberschule mit teilgebundenem Ganztag und W&E-Ausrichtung werden 10.609 m² Bruttogeschossfläche veranschlagt, zusätzlich kommen etwa 2.000 m² für die Turnhalle hinzu. Für das TBZ ist in der Baumassenstudie eine BGF von 22.145 m² veranschlagt worden, was annähernd doppelt so viel ist wie für die Oberschule. Für eine Oberschule kommt ein Schulhof hinzu, aber auch eine berufsbildende Schule braucht einen Außenbereich, bei Vernachlässigung des Bedarfs halten sich die Schüler im öffentlichen Raum auf (s. Berufsschule GAV und Helmut-Schmidt-Schule).
In Abb. 2 wird für den Klimacampus mit der Begrünung des Gleisbetts und dem Vorschlag als "Synergieflächen" ein Aufenthaltsort vorgeschlagen, für die Oberschule waren solche Vorschläge Hemmnisse für die Umsetzung.
Zur Art der Ausführung:
Über die Oberschule wurde gesagt, dass sie den "gestalterischen Anforderungen an diesen Standort als 'Eingangstor' für das Quartier Überseeinsel" nicht genügen würde. Wie dieser Mangel aussehen sollte, wurde nicht definiert, es wurde auch kein weitergehender graphischer Entwurf präsentiert, der diesen darstellt, es gab immer nur einen Quader, der das Schulgebäude darstellte.
Bedenken hinsichtlich des doppelt so massiven TBZ-Klotzes des Klimacampus' scheint es allerdings nicht zu geben.
Zur Kapazität des Knotenpunkts:
Die Überseeinsel wird über den Knotenpunkt Hoerneckestraße erschlossen. Für diesen Knotenpunkt wurde eine maximale Kapazität für motorisierten Individualverkehr (MIV) von 20% festgestellt, d.h. nur 20% des Verkehrs können PKW-Fahrten sein. Daher wird die Überseeinsel als verkehrsarmes Quartier geplant.
Für die Oberschule wurde die verkehrliche Erschließung als problematisch gesehen, wobei Oberschüler in der Regel mit ÖPNV oder aber zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Für die Lehrerschaft wurden in der Planung 10 Parkplätze avisiert. Der Einfluss auf die Kapazität des Knotenpunkts ist damit eher als gering einzuschätzen (abzüglich der Problematik Elterntaxis).
Bei den bremischen Berufsschulstandorten wird überall von erhöhtem Parkdruck in der Umgebung berichtet. Auch beim Klimacampus wird dem Rechnung getragen, in Abb. 2 wurde extra eine Parkgarage eingeplant. Bei sehr viel mehr Schülern und auch Lehrpersonal ist die Belastung des Knotenpunkts durchaus ein größerer Faktor. In der Vorstellung wurde auf eine dahingehende Frage geantwortet, dass die Berufsschüler dann halt ein anderes Mobilitätsverhalten an den Tag legen müssten. Als verhinderndes Element wird die begrenzte Kapazität des Knotenpunkts hier nicht gesehen.
Zur Hochwasserschutz:
Der Hochwasserschutz wird immer wieder thematisiert. Obwohl man meinen möchte, dass es sich bei der Problematik um ein temporäres Hochwasser wie eine Sturmflut im Herbst handelt - um einen Bürgerschaftsabgeordneten zu zitieren, man "möchte nicht nur dass die Kinder am Ende nicht mit nassen Füßen in den Klassenraum sitzen" - ist das nicht so.
Tatsächlich ist der geplante Hochwasserschutz eine Klimavorsorge - durch die globale Erwärmung ist mit dem Anstieg des Wasserspiegels zu rechnen und damit nehmen Hochwasserereignisse zu, weil das Wasser einfach näher dran ist. Diesem wird durch eine Erhöhung des Hochwasserschutzes ("Bestickhöhe") Rechnung getragen. Entsprechende Maßnahmen sind für die Überseeinsel bereits planerisch vorhanden, eine Umsetzung steht in Aussicht.
Für die Oberschule und auch den Klimacampus wird das immer als problematisch gesehen, was angesichts der bereits angestoßenen Planung irritiert. Auch die Grundschule ist bereits im Hochwasserschutzbereich angesiedelt, und wenn man Probleme sehen möchte, wäre es verständlicher, wenn man vermeiden möchte, dass Menschen im Schlaf überrascht werden - auf der Überseeinsel sind auch große Wohnflächen geplant.
Wie kam es dazu?
Historisch gesehen ist das ganze Dilemma vielleicht damit zu erklären, dass sich für den Klimacampus plötzlich im März 2024 eine Perspektive auftat, der ihn auf der Überseeinsel verortete. Damit verdrängte dieses Projekt die Pläne für die Oberschule, weil die Idee einfach so toll schien. Und das, obwohl bereits Beteiligungen für den Schulcampus dort durchgeführt worden waren und auch die Grundschule bereits angesiedelt war.
Hauptakteure für den Klimacampus sind die Ressorts Wirtschaft (SWHT) und Arbeit (SASJI), für die Oberschule ist Bildung (SKB) zuständig und eventuell hat man auch nicht gut miteinander kommuniziert. Das würde auch erklären warum im Mai 2024 noch einstimmig dem Planaufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 2547 zugestimmt wurde, der eine Oberschule auf dem vorderen Gleisbett zum Ziel hat (Senatsvorlage hier). Dieses Ziel wurde aber nicht weiter verfolgt, nachdem man im Dezember 2024 "elegant" die Schule auf das Heimatgrün verschoben hatte.
Fakt ist, dass auch der Klimacampus jetzt nicht in Stein gemeißelt ist - wenn die städtischen Komponenten Modul 3 und Modul 4 nicht finanzierbar sind, dass wird es maximal zu einer Teil-Umsetzung kommen. 2022 wurde auch groß geplant, die Berufsschulen in Campus Nord, Süd, West und Ost zu bündeln, Campus West und Campus Süd sind bereits nicht mehr in Planung.
Fazit
Das ganze scheint ja jetzt Geschichte zu sein, da für die Schule ein anderer Standort auf der Überseeinsel gerade im Gespräch ist. Trotzdem ein Lehrstück (oder Leerstück?!), dass Kommunikation wirklich wichtig ist, insbesondere wenn so viele Ressorts eingebunden sind.
